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Platz 18

Lucky Luke
von Goscinny & Morris

 
Autor: Goscinny René
Zeichner: Morris
Land: Belgien


Lucky Luke von Goscinny und Morris (eigentlich: Maurice de Bevére) gehört zu den Comics, über die mittlerweile vielleicht zu selten ein lobendes Wort verloren wird, da eh jeder wenigstens ein paar Bände ganz selbstverständlich im Regal stehen hat. Das liegt aber mitnichten an irgendwelchen „Bin-damit-aufgewachsen“-Sentimentalitäten, sondern schlicht an der Qualität. Zusammen mit Asterix ist die Westernserie um den Mann, der schneller schiesst als sein Schatten, und dessen Untersatz Jolly Jumper, ein Hegel der Pferde, eine der Wiederundwiederholungslektüren, die sich null abnutzen und einen von der Wiege bis ins Grab begleiten. Das hat seine Gründe: beide Reihen hat Goscinny getextet, Olympier unter den Szenaristen, dessen Einzelstellenkomik ein Nacherzählpotential wie die besten Monty Python - Sketche besitzt. Zusätzlich schafft er es, seinem Revolverhelden in den mit allerlei Wilder-Westen-Facts (Wells Fargo, Siedlertrecks, Stacheldraht, Jesse James, Calamity Jane etc.) angereicherten Bombenstories ernstnehmbare Charakterzüge zu verleihen, was den einsamen Ritt in den Sonnenuntergang (die running Schlussszene) immer wieder überzeugen lässt. Morris ist dabei ein Grossmeister des Minimalismus, dessen Barkeeper oder Kopfgeldjäger schon mal aussehen wie Alfred Hitchcock oder Lee van Cleef, der aber derart karikierende Elemente sparsam am Rande einsetzt und sich mehr auf die spröde, staubig-karge Inszenierung seiner schratigen Figuren konzentriert. Überhaupt ist das alles keine Parodie, sondern völlig in sich funktionierend, dabei aber nicht weniger „authentischen Western“ rüberbringend als Blueberry. Wenn man viele Comics wegwerfen müsste - diesen nicht. (Sven-Eric Wehmeyer)

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