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Platz 97

Fix & Foxi
von Rolf Kauka (Hrsg.)

 
Autor: Rolf Kauka (Hrsg.)
Zeichner: various
Land: Deutschland


Als Rolf Kauka am 13. September 2000 verstarb, gab es unmittelbar darauf kaum einen Nachruf, der nicht mit den Worten eröffnet hätte: „Man nannte ihn den deutschen Disney“. Und kaum einen, der dieses griffige Etikett differenzierte. Daß „Fix und Foxi“ allerdings mal so etwas werden sollte wie die „deutsche Antwort“ auf Micky Maus, das war ursprünglich keineswegs klar.

Anfangs ging es allenfalls darum, auf dem gerade entstehenden deutschsprachigen Comic-Markt Fuß zu fassen, und so hießen die ersten Hefte (von 1953) noch „Till Eulenspiegel“. Die beiden Füchse - samt in Freundschaft verbundenem Widerpart Lupo - kamen erst ein paar Nummern später hinzu, gewannen aber schnell ein spürbares Übergewicht, und schließlich übernahmen sie das Heft, das fortan unter ihrem Namen erschien. Und dem Rolf Kaukas, versteht sich.

Darin Disney ähnlich, daß er seine Signatur zum Markenzeichen veredelte, hatte er sicher von ihm (vor allem) auch das Funny-Animal-Schema entliehen, zu dem man nach den ersten Anläufen zügig überwechselte, sowie das Studio-Prinzip. Das ist wohl einer der Gründe, weshalb die originären Kauka-Comics heute pauschal unterschätzt werden - ihre weitgehende Anonymität. Denn Kauka textete, skizzierte bisweilen. Aber Dutzende Zeichner (und Zeichnerinnen!) haben, z. T. jahrelang, die Figuren jeweils unterschiedlich in Szene gesetzt. Nur wenige von ihnen lassen sich relativ sicher identifizieren, und das sind natürlich meistens die herausragenden, die „guten“ Zeichner, wie etwa der mysteriöse Becker-Kasch, der stilbildende Walter Neugebauer, der avancierte Florian Julino, der originelle Riccardo Rinaldi und etliche mehr. Sind aber ihre individuelle Formensprache und ihre bevorzugten Themen schon recht vielfältig, so kommt noch die schiere Menge aller veröffentlichten Geschichten in „Fix und Foxi“ hinzu, und darunter war auch manches schlicht Schrott – ein weiteres Handicap.

Schließlich der nachhaltigste Unterschied zu Disney-Comics: bei Kauka ist alles auf eine kindliche Sicht zugeschnitten. Die Hauptfiguren vertreten die Perspektiven und Erwartungen ihres jungen Publikums, es sind Kinder und Jugendliche im Kontrast und oft auch im Konflikt mit der Erwachsenenwelt (selbst wenn Fix und Foxi ganz selbstverständlich Auto fahren oder zum Mond fliegen können). Die besten Geschichten sind deshalb stets die, die diese Grundkonstellation respektieren; und in einigen Nebenserien wie z.B. „Pauli“ (v.a. die Stories von Branco Karabajic), „Tom und Klein Biberherz“ oder „Mischa im Weltraum“ (hier die frühen Comics von Neugebauer) wird es am konsequentesten präsentiert.

Damit gerieten sie in späteren Jahren bei manchem Erwachsenen zwar in Verdacht, bloß kindisch, belanglos oder gar eskapistisch zu sein. Das macht aber nichts - für solch engstirnige Vertreter waren sie auch niemals gemacht. „Fix und Foxi“ genießen, heißt eben ein Stück weit, seiner Kindheit innewerden. Und feststellen, daß hier – nahezu einmalig für Deutschland in den 50er, 60er Jahren – etliche Comic-Perlen von zeitlosem Rang entstanden. (Martin Budde)

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