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Platz 93

Kurzgeschichten
von Richard Corben

 
Autor: Richard Corben
Zeichner: Richard Corben
Land: USA


1968: die USA im Erneuerungsfieber. Kalifornische Hippies experimentieren mit neuen Wegen, die Welt zu betrachten. Im Oz-Land Kansas strickt ein junger Mann namens Richard Corben, der tagsüber als Trickfilmzeichner in einer Werbefirma arbeitet, an seiner ganz privaten Variante der alten EC-Klassiker. Er behält den schwarzen Humor, gibt eine Prise Lovecraft und ein paar Klackse Öko-SciFi á la "Silent Running" und "Phase IV" dazu und kocht daraus ein brodelndes Splatter-Süppchen, in dem es an Blut und Gedärmen genauso wenig mangelt wie an großen Schwänzen und dicken Brüsten. Aufgetischt in einem Stil, der im Grenzbereich von Karikatur (der Strich) und Fotorealismus (die Farben) liegt und dessen ausgezeichnete Beleuchtung seine Bilder schwer und dreidimensional erscheinen lassen - heiß und fettig, ideal für das Genre.

So zog Corben aus und tischte der Welt jahrelang von diesem 100% unverwechselbaren Suppchen auf, und es war gut. Was er in den frühen 70ern für die Warren-Hefte "Eerie" und "Creepie" sowie die Indie-Fanzines "Slow Death" und "Last Gasp" ausschwitzte, setzte tatsächlich allem die Krone auf, was das Wort "amerikanischer Underground-Horror" überhaupt verkörpern konnte und zählt bis heute zum besten, was diese Gattung je hervorgebracht hat.

In schneller, filmischer Erzählweise und triefendem Zynismus beschrieb Corben immer wieder - egal ob böses Märchen ("Die Bestie von Wolfton"), oft Endzeit ("Mutant World") oder Fantasy-Endzeit ("Rowlf") - die Welt als eine darwinistische Hölle, in der triebgesteuerte Egomanen aufeinander losgehen und dabei häßliche Flecken hinterlassen.

Anfang der achtziger begann Corben dann leider, hochnotlangweiliges Hochglanzzeug für flachbrüstige Fantasyfreaks zu schustern. Seines glänzendem Frühwerks halber verzeihen wir ihm das. (Thomas Strauß)