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Platz 49

Treibjagd
von Pierre Christin & Enki Bilal

 
Autor: Pierre Christin
Zeichner: Enki Bilal
Land: Frankreich


Führende Parteifunktionäre des Warschauer Pakts kommen im verschneiten Polen in einem abgeschieden gelegenen Hotel zusammen, um eine gemeinsame Jagdpartie zu veranstalten. Die Biographien der Protagonisten werden vor dieser Kulisse entrollt, bis nach diversem erlegten Wild ein politisch motivierter Schuß einen Genossen trifft. Man fällt fast in einen seltsamen Zustand devoter Ehrfurcht, wenn man Pierre Christins (Szenario) und Enki Bilals (Graphik) 1983er Albumepos Treibjagd aufschlägt. Es ist der Gipfel ihrer Zusammenarbeit, das Finale der gemeinsamen, in den Siebzigern gestarteten Reihe der Heutigen Legenden und damit auch kulturhistorisches Dokument, denn über das Medium hinaus markiert Treibjagd einen Endpunkt idealistischer Programmatik als Zusammenführung linker Agitation und ästhetischer Strukturprinzipien. Es geht nicht nur um den in Fiktion gegossenen Niedergang des real existierenden Sozialismus, sondern auch um den Verlust der Möglichkeit, solche „Stoffe“ auf eine solche Art zu behandeln. Vor allem öffnet Bilals Kunst, nicht überbietbar in ihrer ungeheuer plastischen, düsteren Farbigkeit, den Überblenden, großen Symbolen, dem fast altmodischem Ernst und dem kaltem, erstarrten Pathos, einen Raum ganz in sich verschlossener, sich ihrer Brüchigkeit bewußten Atmosphäre. Sehr achtziger, sehr groß. (Sven-Eric Wehmeyer)

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