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Platz 2

From Hell
von Alan Moore & Eddie Campbell

 
Autor: Alan Moore
Zeichner: Eddie Campbell
Land: USA/Großbritannien


Ein Mörderteil: 500 Seiten starring Jack the Ripper, Queen Victoria, ein Bastard-Kind der Royal-Family, Huren, Polizisten, Kirchen, Obelisken und Freimaurer. Plus William Morris, William Blake, William Butler Yeats, John (Elefantenmensch) Merrick, dem ungeborenen Adolf Hitler. Und Handys.
Der Mörder ist der Leibarzt der Königin, davon geht Moore aus. Ob Sir William Gull wirklich der Täter war, ist ihm egal, darum geht es nicht. Es geht um die Wirkung der Morde quer durch die englische Gesellschaft und die Folgen für die Zukunft, für die Gestalt des 20. Jahrhunderts an sich. Aber es ist keine trockene soziologisch/historische Abhandlung. From Hell ist eine Horror-Geschichte mit gigantischem, apokalyptischem Überbau, eine Horrorgeschichte, die es nicht bei einzelnen, blutigen Vorkommnissen belässt (und mit der Verbrennung des Bösen Erleichterung und Nachtschlaf verschafft), sondern nichts weniger will als die individuelle Weltsicht des Lesers zu erschüttern. Moores Methode ist dabei so einfach wie entwaffnend: Er präsentiert eine erschlagende Anzahl von Fakten und mischt magische/mystische/ mythische/esoterische (wie immer man gerne möchte) Details dazwischen, die Zusammenhänge herstellen, die man so vorher nicht gesehen hat. Denn wenn so viel wahr ist, warum dann nicht auch dies? Und das auch? So werden gehäufte Zufälle zu einem Plan und der Ziel des Plans kann nur grauenhaft sein. Es gibt mehrere Stellen in diesem Werk, an dem man sich wie der Kutscher am Ende des monumentalen 4. Kapitels übergeben möchte. Weil einen die Erkenntnis oder das Grauen überwältigt. (Kann man etwas großartigers über die Güte eines Buches sagen?) Nicht zuletzt die akribische Darstellung des letzten Mordes (Kapitel 10), bei dem einem wirklich der Boden unter den Füßen wegbricht. Und das hat nicht, nichts, nichts mit Splatter zu tun, da ist schon Eddie Campbells absolut zurückhaltender, aber sagenhaft präziser Stil davor. Was einen umwirft ist die Banalität, der schiere Irrwitz der Metzgerarbeit auf der einen Seite und die Wirkung dieses Irrsinns, die man bis in die Gegenwart spürt, auf der anderen.
From Hell ist eine der wenigen, echten Großformen im Medium Comic. Kein Werk, das mehr oder weniger zufällig über die Jahre durch eine Verkettung von Episoden (sprich: Einzel-Alben) umfangreich und komplexer wurde oder einfach durch die erzählerische Form in die Breite geht (Stichwort: Manga), sondern das von Anfang an komplett und in aller Vielschichtigkeit geplant war. Ein Werk, das dem Umfang Rechnung trägt, weil weniger einfach nicht möglich war. Mr. Moore, Mr. Campbell – Hut ab!! (Bernd Kronsbein)

Lesetipps:

  • From Hell: Die deutsche Gesamtausgabe mit 592 (!) S.